Oss Bikes – Interview mit Firmengründer Marcus Järgården aus Schweden

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Oss Bikes – Eine junge Tretroller Marke aus Schweden.

Oss Bikes ist ein junger Tretroller Hersteller aus Schweden. Ob Oss Bikes das Zeug hat, ABBA als Schwedens Exportschlager abzulösen wollen wir heute mit Markus Järgården, einem der Gründer, im Interview klären. 

Marcus, bevor wir über Oss Bikes reden, stell Dich bitte zuerst vor.

Ich bin 40 Jahre alt und lebe mit meiner Frau Hanna und unseren beiden Kindern Jack und Lily in Stockholm, Schweden. Bevor ich 2017 Oss Bikes startete, arbeitete ich 15 Jahre in der Kredit- und Finanzbranche und verbrachte ungefähr acht Jahre in London. Ich bin begeistert von brasilianischem Jiujutsu, der Natur und natürlich meiner Familie.

Wie bist Du zum Roller gekommen?

Als wir in London lebten, brachten wir unsere Kinder morgens zu zwei verschiedenen Schulen. Das war für uns anfangs ein 15-20 minütiger Spaziergang bevor ich zur Arbeit ging.

Die Kinder begannen dann, ihren Schulweg mit diesen kleinen Kinderrollern aus Plastik zu fahren. Schon kurz darauf waren sie schneller als ich zu Fuß. Ich musste quasi im Anzug nebenher joggen, mit dem Laptop unter dem Arm. Ideal war das für mich definit nicht. (lacht)

Dann trafen wir eine Französin in der Schule, die ein großen Tretroller mit luftgefüllten Rädern hatte.  Sie sagte das es viel einfacher ist, seine Kinder auf diese Weise zur Schule zu bringen. Wir haben sofort begeistert und haben uns ebenfalls ein solches Modell gekauft. Uns sie hatte Recht: Es war so viel einfacher, schneller und machte viel mehr Spaß.

Der Roller für den Schulweg – Hat das Potential?

Es ist sowohl ein Vor- als auch ein Nachteil. Einerseits muss sich der Roller gegenüber Bussen, Autos und Fahrrädern noch beweisen. Anders betrachtet – ist das natürlich ein großes Potential, da nur wenige den Roller bisher für diesen Zweck für sich entdeckt haben.

Der Nachteil ist, dass viele Erwachsene im Fortbewegungsmittel Roller häufig nur ein Kinderspielzeug sehen. Hier die Wahrnehmung zu verändern ist das harte Stück Arbeit, das uns Roller-Unternehmen bevorsteht.

Es gab schon einige Roller vor Oss Bikes. Warum hast Du dich trotzdem dafür entschieden, alles auf eine Karte zu setzen und das Unternehmen gegründet?

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Im Bild: Oss Bikes Americana – Der stylische Roller aus Schweden.

Erstens suchte ich nach 15 Jahren in einem großen Unternehmen etwas anderes und wollte meine eigene kleine Firma gründen.

Dann kam das AHA Erlebnis mit dem Roller in London. Mein Eindruck war, dass es in der Mittelklasse noch keinen Roller gibt, der auf Erwachsene mit einem klaren Schwerpunkt auf Design ausgerichtet ist. Für mich die perfekte Gelegenheit.

Ich entschied mich, in Abstimmung mit der Familie, dieses Risiko einzugehen. Roller für Erwachsene sind immer noch ein sehr kleiner Markt, aber das allgemeine Interesse der Menschen an körperlicher Aktivität und natürlichen Bewegungsabläufen wächst jeden Tag ein bisschen.

Oss Bikes gibt es seit Oktober 2017 – Wie waren die ersten Monate?

Die erste Herausforderung bestand darin, die Logistik aufzubauen. Hier haben wir anfangs einige Fehler gemacht, wie sie sicher auch anderen Gründern vor uns passiert sind. Insgesamt waren sie aber überschaubar.

Wir hatten wirklich gute Presse und tolle Interviews zum Start, besonders in Schweden. Das großartig war, da es uns schnell geholfen hat, unsere Marke aufzubauen.

Die große Herausforderung war zudem, das unserer saisonales Produkt am Ende der Saison auf den Markt kam. Die bisherigen Verkaufsergebnisse sind also etwas trügerisch um einzuschätzen, wie gut die Vertriebs- und Marketingmaßnahmen letztendlich gewirkt haben oder noch wirken werden. Die neue Saison beginnt schließlich erst so langsam.

Bis zu einem gewissen Grad sah das unsere Planung sogar so vor, damit wir zum Start der Frühjahrs- und Sommersaison alle Kinderkrankheiten beseitigen und ein tolles Produkt anbieten können.

Ist denn sonst alles reibungslos verlaufen?

Die größte Herausforderung bestand wie gesagt darin, alle logistischen Fragen zu klären. Wir mussten uns selbst erstmal einen Überblick verschafften, wie der Versand in mehrere Länder aufgebaut wird, wie man die Roller am besten verpackt und wie viel Montageleistung man seinen Kunden zumuten kann. Auf dem Weg sind sicherlich einige kleine Fehler geschehen, aus den wir aber schnell gelernt haben und uns dadurch verbessern konnten.

Würdest Du denn heute etwas anders machen?

Mit dem Wissen von heute hätte ich mich vielleicht noch stärker mit dem Logistikthema beschäftigt und wäre noch eher auf einige Logistikprofis zugegangen, anstatt zu versuchen, alles durch Trial and Error selbst herauszufinden.

Wofür steht die Marke Oss Bikes und was macht ihr anders?

Oss Bikes soll die Tretroller Marke für alle erwachsenen, urbane Pendler und Eltern werden, die sich für Design, Umwelt und ein individuelle Produkt interessieren, dass sie auf vielleicht ungewohnte Weise von A nach B bringt. Wir wollten einen preiswerten Roller kreieren, also kein High-End Premiumprodukt aber eben auch kein billiges Stück Plastik. Und wir versuchen wirklich, die Wahrnehmung der Menschen dahingehend zu ändern, dass Roller nicht nur für Kinder sind.

Oss Bike Kimura Kickbike
Nicht nur, aber auch für Jugendliche gedacht: Der Oss Bike Kimura Roller.

Wie groß ist Dein Team?

Das Unternehmen besteht im Kern nur aus zwei Personen, meine Frau und ich. Allerdings haben wir sehr viele Unternehmensbereiche wie z.B. das Lager, die Logistik und die Produktion ausgelagert und können in jedem dieser Bereiche auf Spezialisten mit viel Erfahrung zurückgreifen.

Was bedeutet “Oss”?

“Oss” ist ein Ausdruck, der in vielen Kampfkünsten verwendet wird und ebenso viele verschiedene Bedeutungen hat. Eine davon ist “auch wenn die Dinge hart sind, gib nicht auf”. Diese Bedeutung mag ich besonders und sie spiegelt mein Interesse am brasilianischen Jiu-jutsu wider. In Schweden bedeutet “Oss” übrigens “uns”.

Produzierst Du Rahmen und Roller selbst?

Nein, ich habe in China einen Fahrradhersteller gefunden, mit dem ich fast ein Jahr lang an der Entwicklung der Oss Bikes Tretroller gearbeitet habe. Anfangs hatte ich Bedenken, auf einen chinesischen Hersteller zurückzugreifen. Nachdem ich jedoch einige Fahrradexperten konsultiert hatte, versicherten diese mir, dass es durchaus ausgezeichnete Hersteller aus China gibt, die auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen können und einem klaren Fokus auf Detail und Qualität legen können.

Würde ich in Schweden produzieren, wären die Roller doppelt so teuer geworden. Meine Idee, einen für jeden erschwinglichen Cityroller anzubieten wäre damit gestorben.  Nun können Menschen unsere Roller kaufen, ohne dass das Loch in der Haushaltskasse zu groß wird.

Wie schaut es mit der Ersatzteilversorgung aus?

Wir haben natürlich einen Vorrat an Bau- und Ersatzteilen direkt bei uns im Zugriff. So sind wir in der Lage die Kundenanfragen schnell und zügig zu bedienen.

Wer sind eure Kunden und wie schafft ihr es, Neue zu gewinnen? Welche Maßnahmen waren wirksam?

Das ist ein interessante Frage. Zuerst dachten wir, dass unsere Kunden wie wir sind: Eltern von Kindern, die kleinere Scooter fahren und in städtischer Umgebung leben. Jetzt stellt sich allerdings heraus, dass unsere Roller auch für 8-jährige Kinder, 80-jährige Frauen und 50-jährige Männer verkauft werden.

Ich finde es großartig zu erleben, dass Menschen aus aus verschiedensten demographischen Bereichen sich mit Oss Bikes identifizieren können. Der Nachteil ist für uns jedoch, dass eine wenig spitze Zielgruppe nicht gut ansprechbar ist.

Unsere bisherigen Maßnahmen beschränken sich im weitesten Sinne auf Presseberichte, Facebook-Werbung, SEO und Adwords. Es ist ein bisschen früh zu sagen, welche am effektivsten ist, aber wir haben für uns einen Favoriten entdeckt.

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Die beiden Modelle in Action. Americana (vorn) und Kimura (hinten).

Das Design hebt sich von anderen Rollern ab, Kompliment. Gab es eine Inspiration?

Vielen Dank! Meine Inspiration waren die sogenannten Fixed-Gear-Bikes. Daher habe ich mich intensiv mit diesen Herstellern auseinandergesetzt und für mich einen weg gefunden, die Fixed-Gear-Bikes Idee auf den Roller zu übertragen. Unser Gedanke war es, sich auf ein minimalistisches Design zu konzentrieren und dieses mit einer interessanten Farbgebung abzurunden. So möchten wir als Anbieter wahrgenommen werden, der eine modernes Feeling versprüht.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Im Moment liegt unser Fokus darauf, im Frühling und Sommer diesen Jahres gute Verkäufe zu erzielen, damit unser Unternehmen wachsen kann. Im Mai eröffnen wir unseren ersten Showroom und erhalten dadurch auch eine Anlaufstelle bzw. physische Präsenz. Aktuell prüfen wir natürlich auch verschiedene Handels- und Vertriebspartnerschaften um Oss Bikes besser zugänglich zu machen.

Wird es künftig weitere Modelle geben?

Ja! Wir haben noch ein paar neue Farben, die bereits in wenigen Monaten verfügbar sein werden. Hier sind wir schon sehr gespannt auf die Resonanz. Und ja, ich arbeite auch an einem weiteren Rahmenmodell, das eine Art Hybrid zwischen den beiden Modellen von heute, dem Americana und dem Kimura, sein wird.

Gibt es bereits Händler in Deutschland, bei denen man Oss Bikes Roller kaufen kann?

Aktuell arbeiten wir mit einem Händler in Deutschland, der Oss Bikes verkauft, zusammen. Dabei handelt es sich um die Berliner von Flow Footbikes. Zudem vertreiben wir unsere Roller auch bei Amazon.

Über Oss Bikes

oss-bikes-logoOss Bikes ist eine junge Tretroller Marke aus Schweden. Seit Oktober 2017 bietet der Hersteller zwei Tretroller-Modelle in unterschiedlichen Farbgebungen an. Die Webseite ist unter https://ossbikes.com/ erreichbar.

Copyright: Alle Bilder stammen von Oss Bikes.

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