Mibo Revoo im Test – Der 28/28 Rennroller

mibo revoolution frontansicht
Der Revoo im Test

Mit dem Mibo Revoo hat der tschechische Hersteller einen waschechten 28/28 Renn-Tretroller im Sortiment. Keine besonders gängige aber interessante und formschöne Variante. Gebaut wurde dieser Roller für die Rennstrecke. Für den Asphalt, für Kilometer und für Speed. 

Unboxing

Mit großer Vorfreude nahm ich das Paket mit den rollertypischen Ausmaßen an. Die graue Umverpackung lässt noch nicht darauf schließen, welch Schmuckstück das Innenleben ziert. Beim Auspacken der Einzelteile kommen mir drei Gedanken. Zunächst einmal bin ich wie immer überrascht, aus wie wenigen Komponenten ein Roller doch besteht. Rahmen, Lenker, zwei Räder und im vorliegenden Fall noch die beiden mitgelieferten Schnellspanner. Dieser Purismus freut mich jedesmal aufs Neue.

Im weiteren prüfe ich, ob alle Teile ordentlich verpackt sind und keine Komponente mit einem Transportschaden geliefert wurde. Dank ordentlicher Verpackung, Styropor und Polsterung kam der Revoo sicher und wohlbehalten bei mir an.

Beim letzten Gedanken machte sich jedoch eine kleine Enttäuschung breit. Außer den tatsächlichen Komponenten findet man in der Kartonage genau nichts. Keine Aufbauanleitung, kein Beiblatt, keine Broschüre. Nichts. In der gehobeneren Preisklasse möchte ich – und meine Erwartungshaltung ist rein subjektiv – abgeholt werden. Ich möchte in einer kleinen Broschüre blättern, die die Erfolge des Unternehmens zeigt, die mir die Prominenten Fahrer/innen zeigt oder Auskunft über den aufwändigen und von Handarbeit geprägten Herstellungsprozess gibt. Zumindest aber möchte ich anhand eines Beiblatts prüfen können ob alle Einzelteile mitgeliefert wurden.

Zusammenbau

Viel zusammen zu bauen gibt es bei Tretrollern nicht. Da macht der Mibo Revoo keine Ausnahme. Lenker an den Vorbau montieren, Rädern mittels Schnellspanner einhängen und die Bremsen einstellen. Geübte Hände brauchen für die Schritte wenige Minuten. Lediglich beim Einstellen der Bremsen könnte externe Hilfe von Nöten sein. Wer Radbremsen bereits eingebaut hat, wird hier jedoch keinen Schiffbruch erleiden. Ebenfalls positiv ist, dass einige Teile bereits vormontiert sind.

Der erste Eindruck

Mibo Revoolution 2019
Copyright: Mibo.cz

Nun steht er da, mein Mibo Revoo. Und er sieht gut aus. Schwarz wie ein Panther und mindestens genauso schnell. Sein tiefes Trittbrett erinnert mich direkt an einen Sportwagen. Mit der Aerodynamik ist es ja schließlich erst dahin, wenn meine 193 cm sich aufrecht wie ein Turm auf dem Trittbrett postieren. Aber da kann der Roller nichts für. Und noch krieg ich den Rücken gut herunter 😉

Mibo Revoo Test
Nach 300 KM erlaube ich mir ein erstes Zwischenfazit zum Revoo. Die Perspektive täuscht hier, die Räder sind gleich groß und haben 28 Zoll.

Betrachten wir zunächst das Herzstück des Mibo Revoo, den Rahmen. Dieser wurde aus Stahl gefertigt und wiegt grade einmal 3,8 Kilogramm. Er kommt im – für Kenner unverwechselbaren – Mibo Rahmendesign. Die Schweißnähte sind sauber verarbeitet.

Auch sein Lebendgewicht von < 8 Kilogramm inkl. aller Komponenten beeindrucken mich. Entscheidend leichter sind in der Regel nur noch Carbon Roller, die allerdings auch ein größeres Loch in die Haushaltskasse reißen. Was ebenfalls – aufgrund der Brandings – direkt auffällt sind die verbauten Komponenten. Eine Carbongabel vorn, Campagnolo Khamsin LaufräderShimano BremshebelCampagnolo Bremsen und Schwalbe Durano Reifen. Alles in allem mehr als ordentlich. Rechnet man nur die Stückpreise der genannten Komponenten zusammen, so ergibt sich bereits ein stolzes, verbautes Sümmchen.

Ja, der Roller entlockt mir mehr als ein Lächeln und hat das Potential, die Lücke des Renn-Tretrollers zu erfüllen, wenngleich ich keine Ambitionen hege, an Rennen teilzunehmen. Zügig fortbewegen und Kilometer machen, dafür ist er angeschafft worden.

Mibo Revoo auf der Strecke
Auf dem Asphalt zu Hause: Der Mibo Revoolution

Die technischen Details

Modell:Mibo Revoolution II
Gewicht:ca. 8 Kg
Räder:Campagnolo Khamsin, 28 Zoll
Bremsen:Campagnolo Centaur
Bremshebel:Shimano Sora
Reifen:Schwalbe Durano

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Die erste Testfahrt

Zugegeben, die erste Testfahrt war kurz. Vielleicht zwei Kilometer. Und doch sind es die ersten Eindrücke, die lange prägen werden. So leichtläufig waren meine bisherigen Roller bei weitem nicht. Verglichen mit dem Fat Max von Kickbike kann man sagen “Dampflok gegen D-Zug”, wobei der Vergleich natürlich hart ungerecht ist. Das Fat Max macht auf seine Art und Weise ebenfalls massig Spaß. Extrem leichtläufig drehen sich die 28 Zöller und fressen ihre ersten Kilometer mit Genuss. Ja, das macht Laune.

Durch meine Körpergröße von 193 cm wirkt der Lenker samt Vorbau etwas niedrig für meine Statur, hier wird mein Langzeit Test des Mibo Revoo dann zeigen, ob ich hier nochmal nachrüste.

Mibo Revoo am See
Zügig um den See. Mibo Revoo rennt gut.

Langzeit Erfahrungen

Nach den ersten 300 Kilometern erlaube ich mir, meine Erfahrungen zu verfassen. Der Mibo Revoo ist ein Renn Scooter wie ich ihn mir erhofft habe. Das niedrige Trittbrett (ca. 4 cm) gleitet nur knapp über den Boden und setzt bei Unebenheiten schnell auf. Am Anfang tat es noch weh, dieses Geräusch wenn das Trittbrett über den Untergrund schrammt. Aber diese Kerben sammelt ein jeder Roller im Laufe seines Lebens. Mit jeder Unebenheit lernt man dazu und kann sich darauf einstellen.

mibo revoolution tretroller
Ein schöner Tretroller. Die Perspektive täuscht. Die Räder sind je 28 Zoll groß.

Das Laufverhalten macht mir bisher wirklich Vergnügen. Als Haupteinsatzzweck hatte ich den Revoo für Fitness Touren vorgesehen und hier erfüllt er meine Erwartungen. Er ist leicht, robust und optisch gefällt er mir auch sehr gut. Die Lenker Höhe habe ich bisher nicht angepasst, aber ich wurde im näheren Umfeld darauf aufmerksam gemacht, dass es zumindest unproportional aussieht. Ein bisschen so, als wenn ich jeden Moment über den Lenker gehen könnte, sprach die bessere Hälfte das ganze einmal bildlich aus.

Etwas gewundert hatte ich mich, dass der Roller keine Scheibenbremsen hat. Diese hätte ich bei dem Preis jedenfalls erwartet. Meine Vermutung bestätigte sich allerdings als ich Pavel von Hersteller Mibo anschrieb und nachfragte. Scheibenbremsen sind schwerer als die klassischen Backenbremsen und daher entschied sich der Hersteller bei seinem Rennroller dagegen. Ist nachvollziehbar, allerdings würde ich mir hier beide Varianten herstellerseitig wünschen. Ich fahre zwar gerne schnell, aber keine Wettkämpfe wo es vielleicht auf das letzte Gramm noch ankommt. Für den Hausgebrauch wäre mir daher eine Disc-Brake lieber.

Lenker und Vorbau werde ich bei Zeiten nochmal umbauen, aber in der mitgelieferten Variante bin ich trotzdem zufrieden. Die Griffe sind gepolstert und lassen sich gut packen.

Von zwei – unfreiwilligen – Ausflügen durchs Gelände kann ich ebenfalls berichten, da mich die Navi-App Komoot zweimal im Stich gelassen hat. Hier habe ich mir in allererste Sorge um die Räder und um die noch jungen Reifen gemacht. Die ab Werk verbauten Durano Reifen sind dafür nämlich nicht gemacht. Sollten sich die Cross Ausflüge häufen werde ich wohl auf Durano DD oder Durano Plus wechseln. Den Tipp dazu erhielt ich von “Martina”, an dieser Stelle herzlichen Dank. Die Ausritte auf Wald- und Schotterwegen und einem kleinen Trail-artigen Abschnitt überstand der Revoo schadlos, wenngleich der Spaßfaktor nicht aufkommt. Das niedrige Trittbrett vermeldete lautstark und mehrfach Kontakt zum Untergrund.

Mibo Revoolution Offroad
Ging auch, aber nicht gut. Der Revoo im Gelände.

Meine aktuelle Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei ca. 18-19 km/h auf dem Revoo und damit deutlich über der Performance mit meinen anderen Rollern.

Alles in allem kommt man mit dem Roller erwartungsgemäß zügig vorwärts. Durch das tiefe, schmale Trittbrett wird die Tretbewegung vereinfacht und ist für längere Strecken angenehmer im Bewegungsablauf.

Weniger gut gefällt mir, dass ich beide Knöchel mehrfach am Roller angestoßen habe. Auf der linken Seite am Schnellspanner des Vorderrades, mit dem rechten Bein an der Befestigungsmutter des Hinterrads. Bei der linken Seite mutmaße ich, dass es an meiner Körpergröße und dem Grad der Erschöpfung liegt. Nach etlichen Kilometern nimmt die Körperhaltung / Körperspannung ab und dann “klingelt´s”. Die hintere Mutter jedoch erwischte ich auch beim “normalen” Treten. Hier werde ich wohl durch Abkleben / Polstern oder durch das Tragen eines Knöchelschutzes Abhilfe schaffen müssen.

Update: Ich erhielt prompt Feedback, dass 28/28er Roller für große Fahrer nicht die optimale Geometrie aufweisen und ich nicht der einzige bin, der sich die Knochen einhaut. Wer hier zimperlich ist schaut bei den Alternativen Radgrößen 28/24 oder 28/20 vorbei. Ich halte euch hier auf dem Laufenden ob sich die Situation für mich verbessert und wie ich damit umgehen werde.

Was du zum Mibo Revoo wissen solltest

Durch die Ausrichtung für Rennen und Wettkämpfe bringt der Roller einige Besonderheiten mit, bzw. ihm fehlen einige Eigenschaften / Komponenten die für andere Einsatzzwecke am Roller häufiger zu finden sind. Das macht den Roller nicht besser / schlechter, ich möchte lediglich sicherstellen dass ihr wisst was ihr hier erhaltet.

  • Ein Renn-Roller wie der Revoo ist nicht klappbar
  • Der Revoo hat keine Scheibenbremsen
  • Der Revoo hat keine Federgabel, diese raubt Tritt-Energie / Geschwindigkeit
  • Der Revoo hat keinen Ständer zum Abstellen
  • Bereifung und Trittbretthöhe sind ideal für die Straße, nicht fürs Gelände
  • Der Revoo hat serienmäßig eine Klingel 😉
  • Jeder Revoo-Rahmen wird vom Chef-Schweißer Rosta überprüft und kühlt 24 Stunden aus, damit er sich später nicht verformt

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Alternativen

Es gibt eine Handvoll weiterer serienmäßiger Renn-Tretroller. Als Alternativen zum Mibo Revoolution kommen von den gängigen, serienmäßigen Rennrollern das Kickbike Racemax 28* und der Kostka Racer Pro (G5) in Betracht. Das Kickbike bietet ebenso zwei 28 Zoll große Räder, der Kostka wird in der Ausstattung 28/24 geliefert. In den erweiterten Kreis der Alternativen zum Mibo Revoo zählt sicher auch der günstigere Yedoo Wolfer.

Mein Fazit

Für ein vollständiges Fazit zum Mibo Revoolution ist es noch zu früh. Der erste Eindruck ist aber sehr positiv. Eine leichte Rennmaschine mit dem Mibo-typischen Rahmendesign und hochwertigen Komponenten aus dem Radsport. Eine gute Wahl für alle, die ambitionierte Fitness- und Sporttouren machen möchten. Auch als Alternative zum Radfahren oder zum Joggen und natürlich als Tretroller für Straßenrennen und Wettkämpfe. Mit einem Straßenpreis von 749 € ist der Revoo kein Schnäppchen. Aber Carbongabel und Marken-Komponenten haben ihren Preis. Alles in allem gibt es eine klare Kaufempfehlung für alle, die zügig mit dem Roller unterwegs sein wollen.