5.000 Kilometer mit dem Tretroller von Miami bis Los Angeles

Eine Tretroller-Tour durch 8 Bundesstaaten, mit Spendenaktion u. Weltrekordversuch

5000 km tretroller usa

Wenn sich Dejan und Patrick Oswald etwas vornehmen ist das – so zeigt die Vergangenheit – alles, außer gewöhnlich. Ihr neuester Coup: Eine 5.000 km lange Tour mit dem Tretroller durch die USA. Eine weitere Besonderheit: Die beiden starten bereits im Februar, das erste Mal auf dem Trittbrett standen sie im Januar diesen Jahres. Wir haben die beiden daher getroffen um in Erfahrung zu bringen, wie es zu diesem Extrem-Wagnis kam, wo die Motivation liegt und welche Ziele damit noch verfolgt werden.

athleten mit roller
Patrick Oswald (39) und Dejan Kovacevic (44)

Dass ich es hier mit zwei positiv verrückten Typen zu tun habe ahnte ich als ich hörte, dass Patrick für das Interview fast 150 km Fahrt auf sich nahm und wurde mir klar, als sie mir erzählten wie sie sich kennen gelernt haben.

Das erste Mal begegnet sind sich die beiden Sportler beim ToughGuy England. Das lose Band war die Verbindung zum Sport. Damals hätte keiner von beiden unterschrieben sich je auf eine Tretroller-Tour einzulassen die mehr Kilometer hat, als einmal die Grenzen in Deutschland abzufahren.

Nach dem erfolgreichen Event verloren sich die beiden aus den Augen um sich fast ein Jahr später beim Strongman in Deutschland wieder zu treffen. Auch hier “funkte” es sportlich noch nicht,  man verlor sich wieder aus den Augen. Aber nicht aus dem Sinn. Und so sendete Dejan an Patrick einen Nachricht über den Facebook Messenger um sich vielleicht für zukünftige Veranstaltungen abzustimmen.

Ist man jedoch nicht miteinander im zuckerbergschen Universum befreundet, gehen Nachrichten häufig im Ordner Sonstiges unter und eine wundervolle Freundschaft hätte ihren Lauf vielleicht nie genommen. Doch glückliche Fügung oder Schicksal wollten, dass die beiden ihre Aktivitäten und kreativen Energien bündelten und so lass Patrick Monate später seine Nachrichten und die Männerbande wurde geknüpft.

dejan und patrick
Sport verbindet – Dejan und Patrick haben schon einige extreme Touren zusammen gemeistert.

Mittlerweile, einige Jahre später, haben die beiden bereits mehr Abenteuer zusammen erlebt als auf eine Kuhhaut passt. Erst im letzten Jahr verabredeten sich die beiden um von Kleingladenbach bis zur Zugspitze zu laufen. 600 Kilometer und teilweise bis zu 20 Stunden täglich bis zum Erreichen der Zugspitzenplatte. Auf der Rückfahrt Anfang September kam Dejan dann die Idee für ihr bisher größtes Projekt.

Wie fing alles an?

Dejan: Erschöpft und überglücklich sind wir die Rückreise von der Zugspitze angetreten. Beim Genießen der Umgebung sah ich dann zwei Jungs auf ihren kleinen Scootern neben uns Fahrt aufnehmen. Und ich wusste sofort, mit diesen Geräten lässt sich doch was machen. Die ersten Ideen waren etwas harmloser. Ich schlug Patrick vor, mit den Scootern einmal um den Bodensee zu fahren. Die Ernüchterung trat ein, als wir uns die Anzahl der Kilometer angesehen hatten. Dann vielleicht zum Bodensee laufen und einmal mit dem Roller umfahren und wieder zurück. Aber auch das klang nicht wie Musik in unseren Ohren. Und dann viel mir ein, dass ich eigentlich schon immer mal von Miami nach New York laufen wollte.

Patrick: Wenn man viel Zeit hat, ist das sicher auch machbar.

Dejan: Ja. Aber die Verknüpfung zwischen Roller und den USA war dann doch schnell hergestellt und plötzlich erschien es uns möglich. Und wer uns kennt weiß, das wir nicht lang fackeln. Aus der losen Idee war bereits im Oktober die erste Grobplanung entstanden.

Apropros Planung – Wie finanziert ihr eure Projekte

Patrick: Unsere Projekte werden zu einem Teil aus der eigenen Tasche finanziert und glücklicherweise haben wir ein tolles Netzwerk und einige Sponsoren, die einen Teil der Kosten übernehmen. Aber wie es häufig so ist, ein Hobby kostet Geld.

Dejan: Wenn man nicht grade mit dem Fallschirm aus der Stratosphäre springt oder sich ein Standing wie Joey Kelly erarbeitet hat, ist das Thema Projektfinanzierung wirklich ein sehr trauriges Kapitel. Bei einem bekannten Getränkedosen-Hersteller haben wir bspw. zum Schutz gegen die zu erwartende Hitze nach ein paar Caps oder Funktionsshirts gefragt, aber für unser Projekt sah man sich lediglich im Stande ein 6 Pack Energiedrinks bereit zu stellen. Es gehört viel Klinkenputzen und Enttäuschung dazu. Auch Schuhhersteller wurden ohne positive Rückmeldung angeschrieben. Umso glücklicher können wir uns jedoch schätzen, ein paar Sponsoren gefunden zu haben, die uns auch für unser jüngstes Projekt die Stange halten werden. So zum Beispiel unser örtlicher Rewe in Kleingladenbach, eine Versicherungsagentur und Intersport Begro. Einen großen Dank dafür an der Stelle.

Patrick: Gerne wird verwechselt, dass wir keine Lustreise antreten, sondern ein ehrgeiziges, sportliches Unterfangen wagen und darüber hinaus noch Geld für einen guten Zweck sammeln werden. Wir wollen uns – wie die meisten Sportler – ja nicht an den Geldern bereichern. Aber sowohl Dejan als auch ich hatten zum Beispiel weder einen Tretroller noch das passende Equipment für unser Unterfangen. Von den Flügen, den Unterkünften und Eventualitäten ganz abgesehen.

Aber wir wollen auch nicht klagen und sind bereits jetzt gut aufgestellt. Wer helfen möchte, kann sich jederzeit mit uns in Verbindung setzen und wer uns einfach nur die Daumen drückt, dem gehört ebenso unser Dank.

Seit Januar trainieren die beiden insbesondere am Wochenende mit ihren neuen Sportgeräten.

Es geht ja nicht nur um einen Weltrekord – sondern auch um einen guten Zweck

Dejan: Genau. Unsere Aktionen verbinden viele Elemente miteinander. Wir haben unsere Reise als Weltrekord-Versuch bei Guiness Book of World angemeldet. Nach unseren Informationen wird der aktuelle Rekord über die Distanz von 3.800 Kilometern gehalten von einer Dame aus Schweden gehalten.

Wir wollen Ziele erreichen, Vorbild sein und natürlich auch Spaß und eine gute Zeit miteinander haben und diese teilen. Und daher sammeln wir bei unseren verrückten Aktionen auch immer Gelder für einen guten Zweck ein. Was wir dabei vor allem gelernt haben: Wir arbeiten nur noch mit Organisationen zusammen, wo wir uns zu 100% sicher sein können, dass das gesamte Geld auch wirklich bei den Bedürftigen ankommt. Dies war in der Vergangenheit leider nicht immer ganz der Fall, so dass wir bei der Auswahl der Partner hier viel Sorgfalt walten lassen. Für unser Projekt Coast2Coast fiel die Wahl auf die St. Patrick´s Foundation.

Patrick: Dem ist nichts hinzufügen. Wer uns unterstützen möchte kann dies gerne tun. (Die Spenden-Infos werden noch nachgereicht)

Was kostet solche ein Projekt eigentlich?

Patrick: Für die 25 Tage inkl. Flug und Übernachtungen haben wir gut 6.000 € kalkuliert. Da wir unsere ebenfalls neu erworbenen Roller mit einfliegen lassen liegen hier allein die Kosten für das Gepäck bei knapp 400 €. Für Unterkunft und Verpflegung rechnen wir pro Tag mit 120 €. Außerdem muss unsere Ausrüstung noch optimiert werden, damit wir die langen Strecken nicht mit zuviel Ballast befahren müssen.

Für welche Tretroller habt ihr euch entschieden?

Dejan: Leider sind wir nur spärlich an Informationen über die Hersteller und ihre Modelle gekommen. Anders als beim Rad gibt es nicht an jeder Ecke kompetente Beratung und auch die Infos im Internet sind eher spärlich. Dennoch glauben wir, mit dem Yedoo Trexx eine gute Wahl getroffen zu haben. Bereits bei den ersten Fahrten hat es sich gut angefühlt und der kompakte Tourenroller macht einen robusten Eindruck. Den Roller selbst haben wir noch ein wenig an unsere Bedürfnisse angepasst und bspw. die Reifen ausgetauscht.

training mit roller
Distanzen von über 100 Kilometern am Tag werden mit dem Roller gemeistert.

Wie sieht eure Vorbereitung aus?

Dejan: Gelaufen wird sowie in jeder freien Minute. Wenn ich unter der Woche nicht regelmäßig unterwegs bin fehlt mir etwas. Neben den Laufeinheiten fahre ich seit Januar natürlich auch mit dem Roller um mich auf die Tagesdistanzen vorzubereiten. Angefangen habe ich bei 50 Kilometer pro Tag, mittlerweile sind die 100 Kilometer auch erprobt.

Patrick: So wie es der Job zulässt laufe ich ebenfalls 3-4x pro Woche und am Wochenende geht es dann mit Dejan ins Tretroller-Training.

vorbereitungen
“Das schafft ihr doch eh nicht” – Mit diesem Satz kitzelt man die beiden Sportsmänner und setzt ungeahnte Kräfte und Motivation frei.

Was ist euer Antrieb?

Dejan: Unsere Beine 😉

Patrick: Du meinst, was uns motiviert, oder? Den größten Motivationsschub bekomme ich eigentlich wenn ich den Leuten meine Geschichte (meine Vorhaben) erzählen kann und sie mich für einen Spinner halten oder sagen “Patrick, du verrücktes Huhn, lass das. Das schaffst Du eh nicht.” – Genau dann wird etwas in mir erst so richtig aufgeweckt und ich fühle mich noch mehr angespornt.

Dejan: Ja, es ist schon ein schönes Gefühl, den Leuten zu zeigen, was alles möglich wird wenn man selbst dran glaubt. Und wenn noch mehr Menschen mit an einen Glauben – das fühlt sich einfach gut an. Und ich möchte in zwanzig Jahren auch zurückschauen können und mir vorwerfen müssen, Dinge nicht getan zu haben. Natürlich kann ich auch scheitern. Ich kann mir den Knöchel verstauchen oder von einer Klapperschlange am Highway gebissen werden – das wäre richtig mies – aber hey. Ich hätte es probiert. Und darum geht es.

Patrick: Wir sind Macher, Praktiker. Natürlich kann man sich auch im Kopf alles mögliche vorstellen. Ich würde gerne hier hin fliegen, dieses tun und wenn der richtige Zeitpunkt da ist auch jenes tun. Wir sind da anders gestrickt. Idee gut  = Machen. Worauf soll man denn warten?

Und wie ist das mit Jobs und Familie?

Dejan: Schon klar, die äußeren Umstände. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, eine Frau an meiner Seite zu haben, die mich unterstützt. Zwar habe ich bei jedem neuen Projekt Angst, dass jetzt die Scheidungspapiere auf den Tisch geknallt werden, aber bisher ist alles gut gegangen 🙂 Und beruflich wurde mir ebenfalls viel Verständnis entgegengebracht. Für das Projekt wurde ich für vier Wochen von meinem Arbeitgeber freigestellt.

Patrick: Ich muss lediglich das berufliche Auffangen. Und da ich im Betrieb nichts anbrennen lassen möchte, nehme ich mir einfach den Großteil meines Jahresurlaubes dafür frei. Ich hoffe sehr, wirklich sehr, dass ich neben der sportlichen Quälerei, die da auch uns warten, auch Eindrücke von Land und Leuten gewinne und meine Umgebung wahrnehmen kann.

Zurück zum Sport – Was steht denn eigentlich auf eurer Packliste?

Dejan: Ursprünglich hatten wir geplant, die Reise mit 65 Liter Rucksäcken zu bestreiten. In der Tretroller Community auf Facebook wurde uns von den Langstrecken-Fahrer/innen geraten, inbesondere das Gewicht im Blick zu behalten. Daher haben wir stark zusammen gestrichen. Aktuell stehen folgende Dinge auf der Packliste für unsere Tour:

  • Klopapier
  • Funktionsshirts
  • Warnwesten
  • Helme
  • Smartphones mit Unlimited Sim Karten
  • Ladegeräte
  • GoPros und eine Drohne
  • Powerbanks
  • 2 paar Schuhe
  • Zahnbürsten

Von Miami bis Los Angeles – klingt nach Jetset, Abenteuer und atemberaubender Landschaft, oder?

Patrick: Ja, wobei die Route nur ein Mittel zum Zweck ist und in unseren Überlegungen nicht mal die erste Wahl war. Wir hatten zunächst überlegt von New York nach Los Angeles zu rollern, oder Europa von Nord nach Süd zu durchqueren. Allerdings macht uns das Klima und die verschiedenen Klimazonen hier einen Strich durch die Rechnung.

Dejan: Richtig, aber mit der jetzigen Route sind wir trotzdem sehr glücklich. Die 5.000 Kilometer für uns zunächst entlang der Küste entlang, wir passieren Louisanna, Houston, El Paso, die Rocky Mountains und kommen dann hoffentlich pünktlich und wohlbehalten in LA an. Die Strecke ist in der Tat auch landschaftlich reizvoll und abwechslungsreich, denn wir werden immerhin acht Bundesstaaten passieren. Während die ersten 2.500 Kilometer eher flaches Land, Küste, Strand und Highways bieten geht es im zweiten Teil unserer Tour durch die berühmten Rocky Mountains.

rocky mountain tretroller
Im Bild: Die Rocky Mountains. Die Reise führt die beiden Sportler durch 8 US Bundesstaaten.

Patrick: Ich wünsche mir wirklich sehr für uns, das wir die Umgebung auch bewusst wahrnehmen und die Momente genießen können. Aber das wir keine Spazierfahrt planen, macht das Tagesziel von je 200 Kilometern deutlich. Wenn alles planmäßig verläuft beginnen unsere Tagestouren um 6 Uhr morgens und wir halten uns bis 20 Uhr auf dem Roller.

Welche Risiken kalkuliert ihr ein?

Dejan: Sorgen machen wir vor allem die Autofahrer in den USA. Schon bei meinem letzten Aufenthalt in den Staaten konnte ich feststellen, dass viele Amerikaner während der Fahrt in ihren Smartphones vertieft sind und die Straße außer acht lassen. Wir werden uns in jedem Falle mit Warnwesten und Beleuchtung ausstatten um besser gesehen zu werden.

Patrick: Zudem fürchte ich mich vor den Giftschlangen in Texas.

Dejan: In El Paso hoffe ich inständig darauf, keine unliebsamen Begegnungen mit einem State Trooper zu machen. Ich stelle mir dann vor, wie der uns aus so einem typischen Cop-Auto heraus zum Anhalten auffordert und uns dann mit “Hey Guys – ihr habt ein Macke, Abfahrt – runter von mein Street” von der Interstate wirft. 😉

Patrick: Na… hoffen wir mal das Beste. Weitere Probleme, mit denen wir rechnen müssen sind Handy-Probleme die zu einem Ausfall unserer Navigationssysteme führen können. Und irgendwie müssen wir uns über Tag mit 4.000 bis 6.000 Kalorien versorgen. Auch kein leichtes Unterfangen.

Dejan: Das packen wir schon. Was wir zumindest im Hinterkopf haben ist, dass die Lebensdauer von Sportschuhen endlich ist. Allerdings reisen wir bereits mit einem Paar Ersatz an und in den USA bekommt man ordentliche Running Schuhe bereits für knapp 30$ – das wird also hoffentlich kein Problem.

Patrick: Ein großes Risiko haben wir in jedem Falle minimiert. Diese Fahrt wäre alleine und ohne Begleitfahrzeuge ein zu großes Risiko. Zu Zweit lässt sich das Projekt weitaus sicherer bestreiten.

Wann geht es los?

Dejan: Wir beginnen unsere Tour auf dem Roller am 25.02. und werden 25 Tage unterwegs sein. So oft es sich ergibt werden wir auf unserer Facebook Seite und hier im Tretroller Magazin über unseren Reisefortschritt berichten.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg wünscht Tretroller Magazin! 

So können Leser das Projekt unterstützen und für den guten Zweck spenden!

Die beiden Extremsportler freuen sich über jede Form der Unterstützung. Durch das Teilen, Liken und Kommentieren der Beiträge wird die Moral und Motivation gestärkt.

Wer dem Charity Projekt finanzielle Unterstützung zukommen lassen möchte kann dies ebenfalls tun.

Die Sportler arbeiten mit der St. Baldrick´s Foundation zusammen die sich um krebskranke Kinder kümmert. Die Hilfsorganisation hat ebenfalls einen einen Sitz in Frankfurt. Zur Auswahl trug vor allem bei, dass man sich hier absolut sicher ist, dass jeder gespendete Cent auch tatsächlich bei den Hilfsbedürftigen ankommt.